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Bestandsschäden in der UB Gießen
Zerrissen - zernagt - zerfallen
"Zerrissen, zernagt, zerfallen - Bestandsschäden in der Universitätsbibliothek Gießen"
Schadensbeschreibungen ausgewählter Handschriften und Bücher
Die Universitätsbibliothek Giessen besitzt trotz schwerster Kriegsverluste zahlreiche alte Bücher
und wertvolle Handschriften. Diese Schätze haben die Bomben der Alliierten nahezu unbeschadet
überstanden, da sie rechtzeitig ausgelagert wurden. Dazu gehören Handschriften des 9. Jahrhunderts,
der "Iwein" des Hartmann von Aue aus dem 13. Jahrhundert, der "Theurdank" des Kaisers Maximilian
von 1517 und Copernikus' Hauptwerk "De revolutionibus orbium coelestium"
("Über die Kreisbewegungen der Himmelskörper") aus dem Jahr 1543. Insgesamt besitzt die
Universitätsbibliothek mehr als 400 mittelalterliche Handschriften, 900 Drucke aus dem
15. Jahrhundert, 2700 aus dem 16. Jahrhundert und weit über 10.000 Briefe des 16.-19.
Jahrhunderts. Diese Schätze sind jedoch in einem gefährdeten Zustand. Zerrissen durch
Abnutzung und Unachtsamkeit, zernagt von Insekten, zerfallen durch Schimmel, Tintenfraß und
Übersäuerung sind nur einige der Schäden, die drohen, dieses kulturelle Erbe unwiederbringlich
zu zerstören.
Wie kann dieser Verfall aufgehalten werden? Indem die alten Bücher und Handschriften
rechtzeitig restauriert werden. Diese Arbeiten können zwar die Objekte nicht wieder neu erstehen
lassen. Sie können aber das Fortschreiten der Schäden stoppen und ihre Ursachen beheben. So kann
ein aktiver Holzwurmfraß am weiteren Zernagen gehindert werden. Restaurieren versucht also, die
Objekte möglichst wenig zu verändern und ihre historische Substanz zu sichern. Denn die äußere
Erscheinung und die Materialbeschaffenheit geben uns wichtige Informationen über den
ursprünglichen Zustand.
Die Restaurierung ist aufwändig und kostenintensiv. Die Universitätsbibliothek Gießen ist
sich ihrer Verantwortung bewusst und möchte zumindest die wertvollsten und am stärksten
gefährdeten Handschriften und Bücher restaurieren lassen, verfügt aber nicht über die
notwendigen finanziellen Mittel.
Da auch die anderen hessischen Bibliotheken vor der gewaltigen Herausforderung stehen, ihr
Kulturgut für die Öffentlichkeit zu erhalten, hat die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen
im letzten Jahr eine Gemeinschaftsinitiative maßgeblich unterstützt. Am 6. Juni 2004 wurde in
Friedberg die Ausstellung "Zerrissen, zernagt, zerfallen - Bestandsschäden in hessischen
Bibliotheken" eröffnet. Gleichzeitig wurde ein Katalog herausgegeben, in dem beschädigte
Bücher vorgestellt werden. Die Aktion zeigte nicht nur herrliche Schätze, sondern appellierte
auch an den Bürgersinn und das private Engagement der Zivilgesellschaft, das gemeinsame
kulturelle Erbe zu bewahren.
Mit einer eigenen Ausstellung "Zerrissen, zernagt, zerfallen - Bestandsschäden in der Universitätsbibliothek
Gießen" führte die Universitätsbibliothek Gießen diese erfolgreiche Aktion fort, mit der sie
Spender für die Restaurierung und Bewahrung ihrer bedrohten Schätze finden möchte. Gezeigt wurde vom
6. bis 12. Juli 2005 im Rektoratszimmer des Uni-Hauptgebäudes
eine Auswahl beschädigter Bücher und Handschriften. Das Universitätsarchiv ist ebenfalls von
der Problematik betroffen und machte in dieser Ausstellung mit einigen Objekten darauf aufmerksam.
Ein weiterer Teil der Ausstellung, den dankenswerterweise die Hochschul- und
Landesbibliothek Fulda beisteuerte, informierte über die aufwändigen und daher teuren
Restaurierungsmaßnahmen.
Ansprechpartner:
Dr. Peter Reuter
Direktor der Universitätsbibliothek
Telefon: 0641 99-14000,
direktion@bibsys.uni-giessen.de
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